„In aller Freundschaft“-Schauspieler Rolf Becker ist gestorben – Abschied von einer großen Stimme des deutschen Fernsehens

Rolf Becker ist tot: Schauspieler stirbt mit 90 Jahren in Hamburg

Die Sachsenklinik trauert. Mit dem Tod von Rolf Becker verliert In aller Freundschaft nicht nur einen beliebten Seriencharakter, sondern das deutsche Fernsehen eine seiner markantesten Persönlichkeiten. Der Schauspieler ist im Alter von 90 Jahren gestorben und hinterlässt eine Lücke, die weit über die Mauern der ARD-Erfolgsserie hinausreicht. Für Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer war er über Jahre hinweg mehr als nur eine Rolle – er war eine Stimme des Gewissens, ein Spiegel der Gesellschaft und ein Mensch, der mitten ins Herz traf.

Geboren 1935 in Leipzig, war Rolf Becker ein Kind seiner Zeit. Der Zweite Weltkrieg prägte früh sein Leben. Mit Kriegsbeginn wurde er zu Verwandten nach Schleswig-Holstein geschickt – eine Erfahrung, die ihn tief formte und seine spätere Haltung zu Menschlichkeit, Verantwortung und politischem Engagement entscheidend beeinflusste. Nach dem Krieg entdeckte er seine Leidenschaft für Literatur und Theater. Es war der Beginn eines künstlerischen Weges, der sich über Jahrzehnte erstrecken sollte.

Vom Theater zur Fernsehlegende

Rolf Becker begann seine Schauspielkarriere auf der Bühne und arbeitete mit einigen der prägendsten Regisseure des deutschsprachigen Theaters zusammen. Besonders die Zusammenarbeit mit Peter Zadek gilt als Meilenstein seiner Laufbahn. Becker war kein Schauspieler der schnellen Effekte, sondern einer der leisen Töne. Seine Figuren lebten von Tiefe, Haltung und innerer Spannung. 1971 zog er nach Hamburg, wo er viele Jahre am Thalia Theater wirkte – einem der renommiertesten Bühnenhäuser Deutschlands. Hamburg blieb bis zu seinem Tod seine Heimat.

Parallel zum Theater machte sich Becker auch im Film und Fernsehen einen Namen. Er spielte in Produktionen bedeutender Regisseure, übernahm prägnante Rollen und war regelmäßig in Gastauftritten großer Fernsehformate zu sehen. Besonders im Tatort hinterließ er mit seinen Auftritten bleibenden Eindruck. Doch der größte Popularitätsschub kam vergleichsweise spät – mit einer Rolle, die ihn einem Millionenpublikum bekannt machte.

Rolf Becker ist tot: "In aller Freundschaft"-Stars nehmen Abschied

Otto Stein – eine Figur, die berührte

Seit 2006 gehörte Rolf Becker zum Ensemble von In aller Freundschaft. Als Otto Stein wurde er zu einer der emotionalen Konstanten der Serie. Otto war kein lauter Charakter, kein Held im klassischen Sinne. Er war ein Mensch mit Ecken und Kanten, mit Lebenserfahrung, Widersprüchen und einer ehrlichen Direktheit, die vielen Zuschauerinnen und Zuschauern aus der Seele sprach.

Beckers Darstellung verlieh der Figur eine außergewöhnliche Glaubwürdigkeit. Otto Stein sagte Dinge, die andere nur dachten. Er stellte Fragen, die unbequem waren, und brachte Gefühle auf den Punkt, ohne pathetisch zu werden. Gerade in einer Serie, die von medizinischen Dramen und menschlichen Schicksalen lebt, war er ein Ruhepol – jemand, der den Blick auf das Wesentliche lenkte.

Dass Rolf Becker diese Rolle bis ins hohe Alter spielte, war für viele Fans ein Geschenk. Umso bewegender ist die Tatsache, dass er erst wenige Tage vor seinem Tod noch einen letzten Gastauftritt in der Sachsenklinik hatte. Ein stiller Abschied, den zu diesem Zeitpunkt niemand als solchen erkennen konnte.

Familie, Haltung und Engagement

Rolf Becker war nicht nur Schauspieler, sondern auch ein Mensch mit klarer Haltung. Gemeinsam mit seiner Frau engagierte er sich über viele Jahre hinweg politisch und sozial, insbesondere für Geflüchtete und Menschen in Not. Dieses Engagement war für ihn kein PR-Thema, sondern Ausdruck einer tiefen Überzeugung. Er wusste, was es bedeutet, entwurzelt zu sein, und setzte sich konsequent für Solidarität und Menschlichkeit ein.

Auch seine Familie spielte eine zentrale Rolle in seinem Leben. Rolf Becker war Vater von fünf Kindern. Zwei von ihnen – Meret Becker und Ben Becker – traten in seine Fußstapfen und wurden selbst zu gefeierten Schauspielern. Die Verbindung von Familie und Kunst war bei Becker nie eine bloße Tradition, sondern ein lebendiger Austausch. Besonders berührend für die Fans war der gemeinsame Auftritt von Vater und Sohn Ben Becker in der Sachsenklinik im Jahr 2022 – ein Moment, der heute eine ganz neue Bedeutung bekommt.

Ein Verlust für die Serie – und für das Publikum

Der Tod von Rolf Becker trifft In aller Freundschaft in einer Phase, in der die Serie mehr denn je von ihren langjährigen Figuren lebt. Sein Weggang reißt eine Lücke, die nicht einfach zu schließen ist. Denn Becker war kein austauschbarer Nebendarsteller, sondern eine Identifikationsfigur. Viele Zuschauerinnen und Zuschauer begleiteten Otto Stein über Jahre hinweg und sahen in ihm einen Menschen, der Lebenserfahrung, Wärme und manchmal auch unbequeme Wahrheiten verkörperte.

Für die Macher der Serie war Becker mehr als ein Kollege. Er galt als professionell, verlässlich und zugleich als jemand, der mit seiner Persönlichkeit den Raum prägte. Sein Spiel war nie laut, nie aufdringlich – aber immer präsent. Gerade diese Zurückhaltung machte seine Auftritte so eindrucksvoll.

Abschied von einer außergewöhnlichen Persönlichkeit

Mit Rolf Becker geht eine Generation von Schauspielern, die das deutsche Theater und Fernsehen nachhaltig geprägt hat. Er stand für eine Kunst, die nicht auf schnelle Aufmerksamkeit zielte, sondern auf Tiefe und Haltung. Seine Karriere war kein geradliniger Weg zum Ruhm, sondern ein konsequentes Arbeiten an Figuren, Texten und Themen, die ihm wichtig waren.

Sein Tod markiert auch einen emotionalen Einschnitt für das Publikum von In aller Freundschaft. Viele werden sich an seine Szenen erinnern, an seine Stimme, an die Ruhe, die er ausstrahlte – selbst in dramatischen Momenten. Otto Stein wird fehlen. Und mit ihm ein Schauspieler, der es verstand, Menschen zu berühren, ohne große Gesten zu brauchen.

Ein Vermächtnis, das bleibt

Rolf Becker hinterlässt mehr als Rollen und Auftritte. Er hinterlässt ein Vermächtnis aus Haltung, Menschlichkeit und künstlerischer Integrität. Seine Arbeit wird weiterleben – in alten Folgen, in Erinnerungen, in den Geschichten, die er erzählt hat. Für viele Zuschauerinnen und Zuschauer war er ein vertrautes Gesicht, ein Stück Beständigkeit in einer sich ständig verändernden Fernsehwelt.

Der Abschied fällt schwer. Doch gerade die leisen Figuren bleiben oft am längsten. Rolf Becker war eine solche Figur – auf der Bühne, vor der Kamera und im Leben. Die Sachsenklinik wird ohne ihn eine andere sein. Und das deutsche Fernsehen ein Stück ärmer.