HIV-Fall bei „Berlin – Tag & Nacht“: Experte wird deutlich – „Zu dramatische Vorstellungen“

Henning Schneider, Michael Maierhöfer4-4 minutes 2/9/2025


© RTLZWEI / Filmpool

Hier wird Berlin Tag und Nacht gedreht – Diese Drehorte gibt es wirklich

„Berlin – Tag & Nacht“ ist eine TV-Show, die ihre Themen direkt aus dem Leben zieht. In den Berliner WGs spielt sich das ganz normale Drama junger Menschen in der Hauptstadt ab. Doch es gehören auch immer wieder ernste Themen dazu.

Derzeit ist das ein positiver HIV-Test der Figur Indira (gespielt von Ellinor Vogel). Die Erkrankung bedeutete vor 30 Jahren noch ein Todesurteil, ist inzwischen aber gut behandelbar. BERLIN LIVE hat einen Experten gefragt, was er von der Storyline hält.

„Berlin – Tag & Nacht“ spricht aktuell im TV ein wichtiges Thema an

Holger Wicht ist Sprecher der Deutschen Aidshilfe und begrüßt die Entscheidung der BTN-Macher: „Es ist super, dass das Thema in einer so reichweitenstarken Sendung so ausführlich aufgegriffen wird.“ Dadurch biete sich die Möglichkeit, ein realistisches Bild der Erkrankung zu vermitteln. „Viele haben zu dramatische Vorstellungen. Mit HIV kann man heute gut leben, Menschen mit HIV haben ungefähr die gleiche Lebenserwartung wie andere Menschen.“

+++ Berlins Spätis sind die neuen Eckkneipen: Die Zeichen sind ganz deutlich +++

Zudem kann die Serie mit dieser Storyline dazu beitragen, den Zuschauern zu vermitteln, dass HIV kein Tabuthema sein darf. „Genau so einen verständnisvollen Umgang mit dem Thema brauchen wir, damit es leichter wird, offen über HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen zu sprechen“, erklärt Wicht gegenüber BERLIN LIVE.

Viele Betroffene würden sich nach der Diagnose schämen – oder lassen sich aus Angst gar nicht erst testen. „So wird es bestimmt für manche Zuschauer und Zuschauerinnen leichter, selbst den Weg zu Test und Beratung zu finden.“

Geringere Aufmerksamkeit ist Fluch und Segen

Weil HIV heute keine tödliche Krankheit mehr ist wie in den 1980er- und 1990er-Jahren, ist die öffentliche Aufmerksamkeit für das Thema spürbar zurückgegangen. „Das ist erst mal eine gute Nachricht: Wer will schon den Schrecken zurück, der damals für die öffentliche Präsenz des Themas gesorgt hat?“, gibt Wicht zu bedenken.

Dass „Berlin – Tag & Nacht“ das Thema nun aufgreift sei dennoch wichtig: „Jede Generation muss neu informiert werden. Und für alle anderen sind gelegentliche Erinnerungen und aktuelle Infos hilfreich.“



Schließlich habe sich in Sachen Behandlungs- und Schutzmöglichkeiten in den vergangenen Jahren viel getan. „Wir wünschen uns generell, dass mehr offen über Sexualität gesprochen wird – erstmal im positiven Sinne, aber natürlich auch mit Blick auf die damit verbundenen Herausforderungen und Risiken.“

Schließlich hat sich in den vergangenen Jahren viel in Bezug auf Behandlungs- und Schutzmöglichkeiten getan. „Wir wünschen uns generell, dass mehr offen über Sexualität gesprochen wird – erstmal im positiven Sinne, aber natürlich auch mit Blick auf die damit verbundenen Herausforderungen und Risiken.“