„Die Rosenheim-Cops: Tödliche Höhen“

Die Rosenheim-Cops" Tödliche Höhen (TV Episode 2003) - Full cast & crew -  IMDb

Wenn Ehrgeiz, Eifersucht und Macht in den Abgrund führen**

Mit „Tödliche Höhen“ liefert Die Rosenheim-Cops eine Episode, die weit über einen klassischen Bergunfall hinausgeht. Vor der atemberaubenden Kulisse der Alpen entfaltet sich ein Kriminalfall, der zeigt, wie dünn die Linie zwischen sportlichem Ehrgeiz, familiären Konflikten und tödlicher Gewalt sein kann. Was zunächst wie ein tragisches Unglück beim Wandern erscheint, entpuppt sich Schritt für Schritt als perfides Verbrechen – angetrieben von verletztem Stolz, Gier und jahrelang unterdrücktem Hass.


Ein Absturz, der Fragen aufwirft

Der Tod von Benedikt Rupert, einem angesehenen Unternehmer und passionierten Bergsteiger, erschüttert die Region. Er wird tot unterhalb des Jubiläumssteigs gefunden – abgestürzt in unwegsamem Gelände. Die erste Einschätzung der Bergwacht ist eindeutig: ein tragischer Sportunfall. Rupert galt als erfahren, sportlich, nahezu unverwüstlich. Dennoch hatte er an diesem Morgen offenbar seine Kräfte überschätzt.

Auch sein Sohn Sebastian Rupert, der ihn auf der Tour begleitete, bestätigt zunächst diese Version. Er habe frühzeitig umkehren müssen, da seine Kondition nicht ausgereicht habe. Der Vater sei allein weitergegangen. Ein plausibler Ablauf – zumindest auf den ersten Blick.

Doch Hofer und Satori wissen aus Erfahrung: In den Bergen ist nichts so eindeutig, wie es scheint.


Der erste Zweifel: Spuren, die nicht passen

Der Wendepunkt kommt mit dem pathologischen Befund. Zwar bestätigt die Obduktion den Tod durch einen Sturz mit Genickbruch, doch eine Platzwunde am Kopf wirft Fragen auf. Besonders irritierend: Der Blutverlauf passt nicht zur Liegeposition des Leichnams. Blut ist entgegen der Schwerkraft verlaufen – ein Detail, das erfahrene Ermittler sofort alarmiert.

Was folgt, ist klassische Rosenheim-Cops-Arbeit: ruhig, beharrlich, detailverliebt. Hofer erkennt, dass der Sturz allein diese Verletzungen nicht erklären kann. Der Verdacht steht im Raum, dass Benedikt Rupert bereits vor dem Absturz geschlagen oder gestoßen wurde.

Aus einem Unfall wird ein möglicher Mord.


Ein kompliziertes Familiengefüge

Parallel zu den Spurenauswertungen öffnet sich der Blick auf die Familie Rupert – und hier wird es emotional wie gefährlich zugleich.

Benedikt Rupert war ein dominanter Mann, streng, ehrgeizig und kompromisslos. Besonders zu seinem Sohn Sebastian hatte er ein schwieriges Verhältnis. Sebastian fühlte sich Zeit seines Lebens übergangen, nie gut genug, nie anerkannt. Der Vater zweifelte offen an seinen Fähigkeiten, sowohl menschlich als auch beruflich.

Zusätzlich verschärft sich die Situation durch Benedikts junge Ehefrau Heike Rupert. Kurz vor seinem Tod hatte Benedikt sein Testament geändert und ihr die Mehrheitsanteile am Unternehmen überschrieben – ein Schock für Sebastian, der davon nichts wusste. Diese Enthüllung verleiht dem Konflikt eine neue, explosive Dimension.

Die Rosenheim-Cops S02E06: Tödliche Höhen – fernsehserien.de


Der Dritte im Bunde: Andy Auracher

Als weiterer zentraler Akteur rückt Andy Auracher, der Geschäftsführer des Unternehmens, in den Fokus. Ein Mann aus einfachen Verhältnissen, der sich hochgearbeitet hat – ehrgeizig, loyal wirkend, aber auch voller stiller Ansprüche. Auracher galt als rechte Hand Benedikts, genoss dessen Vertrauen und führte faktisch das Tagesgeschäft.

Was kaum jemand wusste: Auracher und Heike Rupert hatten ein geheimes Verhältnis. Fotos und Indizien belegen eine Affäre, die weit über eine harmlose Nähe hinausging. Plötzlich wird klar: Auch Auracher hätte ein starkes Motiv. Macht, Geld, Einfluss – und die Aussicht, nach Benedikts Tod endgültig die Kontrolle zu übernehmen.

Doch ein scheinbar entscheidendes Detail spricht gegen ihn: Auracher kann seinen linken Arm nach einem Unfall kaum bewegen. Für die Ermittler schien es zunächst unmöglich, dass er einen kräftigen Mann wie Benedikt Rupert in unwegsamem Gelände überwältigen oder gar ziehen konnte.

Ein fataler Trugschluss.


Sebastians Alibi gerät ins Wanken

Währenddessen beginnt Sebastians Aussage zu bröckeln. Ein Zeuge meldet, dass Sebastians Auto noch deutlich später am Parkplatz gesehen wurde, als er behauptet hatte. Die Zeiten passen nicht zusammen. Rechnet man die Wege nach, wird klar: Sebastian war länger am Berg, als er zugibt.

Hinzu kommt ein weiteres belastendes Detail: Unter den Fingernägeln des Toten finden sich Hautabschürfungen – ein klares Zeichen für einen Kampf. Benedikt Rupert hat sich gewehrt.

Als Hofer Sebastian erneut konfrontiert, bricht dessen Fassade langsam. Der Sohn gibt zu, dass es während der Tour zu einem heftigen Streit kam. Benedikt habe ihm eröffnet, dass er die Firma endgültig aus der Hand geben wolle – an seine Frau. Sebastian sei „ein Versager“, habe sein Leben vergeudet. Worte, die tief trafen.


Ein Geständnis – und doch keine Wahrheit

Unter dem Druck der Beweise gesteht Sebastian schließlich, seinen Vater im Affekt gestoßen zu haben. Er beschreibt einen Streit, einen Moment des Kontrollverlusts, einen Sturz. Die Ermittler nehmen ihn vorläufig fest.

Der Fall scheint gelöst.

Doch Hofer bleibt ein ungutes Gefühl. Zu viele Details passen nicht. Vor allem eine Frage lässt ihn nicht los: Wie konnte Benedikt Rupert nach dem ersten Sturz noch an eine andere Stelle verbracht werden? Die Blutspuren deuten darauf hin, dass der Leichnam bewegt wurde – und zwar bergauf.

Ein einzelner, emotional aufgewühlter Sohn hätte dazu kaum die Kraft gehabt.


Die entscheidende Erkenntnis

Der Durchbruch kommt mit einer scheinbar nebensächlichen Beobachtung: Ein Karabinerhaken und ein Seil, die am Tatort gefunden wurden. Auracher, trotz seines beeinträchtigten Arms, verfügte über das technische Wissen und die Routine, um mit Hilfe eines Seils einen Menschen zu bewegen.

Rekonstruktionen zeigen: Es war möglich.

Die Wahrheit kommt ans Licht:
Andy Auracher nutzte den Streit zwischen Vater und Sohn aus. Als Benedikt Rupert nach der Auseinandersetzung verletzt am Boden lag, sah Auracher seine Chance. Mit einem Seil zog er den schwer angeschlagenen Mann weiter in die Klamm und stieß ihn schließlich in die Tiefe – um den Mord wie einen Unfall aussehen zu lassen.

Ein kalt kalkulierter Plan, geboren aus Gier, Neid und dem Wunsch nach Kontrolle.


Der finale Zusammenbruch

In der finalen Konfrontation bricht Auracher zusammen. Er gesteht nicht aus Reue, sondern aus Wut. Wut darüber, dass er trotz jahrelanger Arbeit, trotz Erfolg und Einsatz, nie wirklich anerkannt wurde. Benedikt Rupert habe alles gehabt – Macht, Geld, Familie – und trotzdem immer mehr gewollt.

Der Mord war für Auracher kein Ausrutscher. Er war die Konsequenz eines lange gärenden Gefühls von Ungerechtigkeit.


Fazit: Mehr als ein Bergkrimi

„Tödliche Höhen“ ist eine der vielschichtigsten Folgen von Die Rosenheim-Cops. Die Episode verbindet alpinen Nervenkitzel mit psychologischer Tiefe und einem bitteren Blick auf Machtstrukturen, familiäre Erwartungen und zerstörerischen Ehrgeiz.

Der Berg wird hier zum Symbol:
Für Erfolg.
Für Überforderung.
Und für den Moment, in dem ein falscher Schritt alles beendet.

Ein eindringlicher Krimi, der zeigt, dass die gefährlichsten Abgründe oft nicht im Gelände liegen – sondern im Menschen selbst.