Die Rosenheim-Cops“ – Staffel 11, Folge 4: „Mord mit Schönheitsfehlern“ Ein tödliches Geheimnis hinter makelloser Fassade

Die Rosenheim-Cops (216) Staffel 11 Folge 4 - Mord mit Schönheitsfehlern -  video Dailymotion

Mit der Episode „Mord mit Schönheitsfehlern“ beweist Die Rosenheim-Cops einmal mehr, wie meisterhaft die Serie Krimispannung, gesellschaftliche Abgründe und feinsinnigen Humor miteinander verwebt. Was zunächst wie ein klassischer Einbruch mit Todesfolge aussieht, entpuppt sich Schritt für Schritt als komplexes Geflecht aus Macht, Eitelkeit, wirtschaftlicher Gier und verletzten Gefühlen – verborgen hinter der glänzenden Oberfläche einer erfolgreichen Kosmetikfirma.


Ein Mord im scheinbar perfekten Zuhause

Der Fall beginnt mit dem gewaltsamen Tod von Dirk Hölscher, Mitinhaber einer florierenden Rosenheimer Kosmetikfirma. Gefunden wird er von seiner Ehefrau Marlis Hölscher, gemeinsam mit dem Anwalt Dr. Amberger, nach einem angeblichen Geschäftsessen. Das luxuriöse Haus, die stilvolle Einrichtung, die gepflegte Außenwirkung – alles schreit zunächst nach Wohlstand und Erfolg. Doch genau diese makellose Fassade bekommt früh erste Risse.

Die Ermittler stellen schnell fest: Hölscher wurde mit einem gezielten Stich ins Herz getötet. Die Tatwaffe muss eine schmale, stilettoartige Klinge gewesen sein – präzise, leise, tödlich. Auffällig ist, wie wenig Blut am Tatort zu finden ist. Ein Detail, das darauf hindeutet, dass der Mord kontrolliert und ohne panische Eskalation begangen wurde.


Einbruch oder gezielte Tat?

Zunächst spricht vieles für einen Einbruch. Die Terrassentür wurde geöffnet, das Auto des Opfers fehlt, einige Gegenstände scheinen entwendet worden zu sein – darunter lediglich eine Vase und ein Bild. Doch genau diese „Beute“ wirkt auffällig beliebig und wertlos. Für erfahrene Ermittler wie Kommissar Hansen und Kommissar Hofer ist klar: Das passt nicht zu einem professionellen Raubmord.

Auch die Überwachungskamera entpuppt sich als Attrappe. Abschreckung statt Sicherheit. Ein Detail, das den Verdacht nährt, dass der Täter die Gewohnheiten der Familie kannte – und wusste, dass er kaum gestört werden würde.


Die Ehefrau unter Verdacht

Marlis Hölscher präsentiert sich nach außen gefasst, fast kühl. Sie spricht von geschäftlichen Spannungen, von einer Ehe, die längst nur noch auf dem Papier bestand. Später wird klar: Die Trennung war bereits geplant, ein Scheidungsvertrag unterschrieben, die Vermögensaufteilung scheinbar fair geregelt.

Doch gerade diese Offenheit macht misstrauisch. Warum wurde ein Schreibtisch aufgebrochen, wenn angeblich nichts Wichtiges darin war? Warum verschwinden genau jene Unterlagen, die Hinweise auf finanzielle Unregelmäßigkeiten geben könnten?

Allmählich zeigt sich: Hinter dem Erfolg der Firma steckt mehr als gute Produkte und kluges Marketing.


Eine kosmetische Beraterin und ein toxisches Arbeitsklima

Mit Andrea Zielke, einer attraktiven und selbstbewussten Kosmetikberaterin, rückt eine weitere Schlüsselperson ins Zentrum der Ermittlungen. Sie hatte kurz vor der Tat einen schweren Konflikt mit dem Opfer. Hölscher wollte sie entlassen, war ihr gegenüber offenbar übergriffig geworden – eine Grenzüberschreitung, die sie entschieden zurückwies.

Zwar wird sie kurzzeitig zur Verdächtigen, doch schnell zeigt sich: Zielke hatte weder ein tragfähiges Motiv noch belastbare Spuren gegen sich. Ihr Auftreten macht jedoch deutlich, in welchem Klima Hölscher agierte – Machtbewusstsein, Egozentrik und mangelnder Respekt gegenüber Frauen.


Wirtschaftskriminalität statt Eifersuchtsdrama

Die Ermittlungen nehmen eine entscheidende Wendung, als finanzielle Unregelmäßigkeiten ans Licht kommen. Marlis Hölscher plante offenbar ein lukratives Joint Venture mit einem großen amerikanischen Kosmetikkonzern. Millionenbeträge flossen bereits – jedoch tauchten sie nicht in den offiziellen Bilanzen auf.

Der Mann wusste davon nichts. Als Dirk Hölscher zufällig auf Hinweise dieser Bilanzfälschung stößt, eskaliert die Situation. Er erkennt, dass er betrogen wurde – geschäftlich und persönlich. Entschlossen fährt er zu Dr. Amberger, dem Anwalt seiner Frau, um die Sache publik zu machen.


Der Anwalt als Täter

Was als juristische Beratung begann, endet tödlich. Dr. Amberger, der längst tiefer in die Geschäfte verstrickt war, verliert die Kontrolle. Aus Angst vor dem beruflichen Ruin, aus Loyalität – oder aus einer alten, nie ganz erloschenen Liebe zu Marlis Hölscher – greift er zur Waffe.

Die Spurensicherung findet schließlich eindeutige Faserspuren, die den Transport der Leiche belegen. Hölscher wurde nicht am Fundort getötet, sondern zunächst an einem anderen Ort angegriffen und dann zurückgebracht. Der angebliche Einbruch war Inszenierung. Der gestohlene Wagen diente nur der Ablenkung.

Am Ende bricht Amberger zusammen. Er gesteht. Der Mord war kein kalkulierter Plan, sondern eine Tat im Affekt – ausgelöst durch die Angst, alles zu verlieren.


Menschliche Abgründe hinter perfektem Make-up

„Mord mit Schönheitsfehlern“ ist mehr als ein klassischer Whodunit. Die Folge hält der Gesellschaft einen Spiegel vor: Erfolg, Schönheit und Macht verdecken oft moralische Abgründe. Beziehungen werden instrumentalisiert, Loyalität missbraucht, Grenzen überschritten – bis ein einziger Moment alles zum Einsturz bringt.

Gleichzeitig bleibt die Serie ihrem Ton treu. Zwischen Ermittlungsdruck, bissigen Dialogen und kleinen Alltagskonflikten – etwa rund um Taxiquittungen und Dienstvorschriften – sorgt der typische Rosenheim-Humor für Erdung.


Fazit

Diese Episode gehört zu den stärkeren Folgen der Reihe. Sie verbindet Krimispannung mit Wirtschaftsthemen, emotionalen Konflikten und gesellschaftlicher Relevanz. Der Titel „Mord mit Schönheitsfehlern“ erweist sich als treffende Metapher: Hinter glänzenden Oberflächen verbergen sich Risse, die irgendwann nicht mehr zu kaschieren sind.

Ein Fall, der zeigt, dass in Rosenheim nicht nur Idylle herrscht – sondern manchmal auch tödliche Wahrheiten.