Die Rosenheim-Cops – S13E25: Ein todsicherer Konkurrent

Ein Mord zwischen Kabelrollen, Konkurrenzdruck und segelnden Ermittlern: In der Episode „Ein todsicherer Konkurrent“ zeigen Die Rosenheim-Cops einmal mehr, wie geschickt sie kriminalistische Spannung mit bayerischem Humor, pointierten Dialogen und zwischenmenschlichen Zwischentönen verbinden. Der Fall um den ermordeten Elektro-Unternehmer Georg Seibold führt tief hinein in ein Geflecht aus Neid, alten Rechnungen und verschwiegenen Abhängigkeiten – und liefert zugleich reichlich Stoff für private Reibereien im Kommissariat.
Ein Tatort ohne Einbruch – und viele offene Rechnungen
Der Tag beginnt ungewöhnlich früh und mit einem unguten Gefühl: Das Elektrogeschäft Seibold steht offen, Licht brennt – und wenig später ist klar, warum. Firmeninhaber Georg Seibold liegt tot im Lager. Schnell zeigt sich: Es gibt keine Einbruchspuren. Die Tür war nicht abgeschlossen, der Täter muss sich ausgekannt haben. Neben der Leiche liegt eine blutige Schere – ein Tatwerkzeug aus dem eigenen Bestand. Alles deutet auf eine spontane Eskalation hin.
Die Obduktion bestätigt den ersten Eindruck: Seibold wurde kurz nach Mitternacht erstochen, der Stich war sofort tödlich. Zudem finden sich ältere Verletzungen, die auf handgreifliche Auseinandersetzungen in den Tagen zuvor schließen lassen. Der Mord war offenbar nicht geplant – aber er fiel auf fruchtbaren Boden aus Wut und Kränkungen.
Konkurrenz, Konkurs und Kollateralschäden
Rasch rückt das berufliche Umfeld in den Fokus. Seibold war erfolgreich, finanziell bestens aufgestellt – und gefürchtet. Er hatte sich mit vielen angelegt, besonders mit dem Konkurrenten Lambert Pollner, dessen Geschäft nach einem Wasserschaden und versäumten Versicherungsbeiträgen in die Insolvenz rutschte. Pollner gab Seibold offen die Schuld, die Stimmung zwischen den beiden war explosiv.
Doch Pollners Alibi hält: Seine Frau bestätigt, dass er in der Mordnacht zu Hause war. Damit ist der offensichtliche Rivale vorerst aus dem Rennen – der Blick weitet sich.
Angestellte zwischen Loyalität und Angst
Im Laden arbeiten Maria Gerstel (Buchhaltung/Einkauf) und Yvonne Brand (Weiße Ware). Beide finden die Leiche. Ihre Aussagen sind sachlich, doch zwischen den Zeilen schwingt viel Ungesagtes mit. Gerstel beschreibt Seibold als repräsentativen Chef mit Kontrollzwang, der nächtliche Inventuren durchführte. Brand berichtet von Spannungen, auch im Privaten.
Ein entscheidender Hinweis kommt später: Vor einem Monat wurde der Verkäufer Tobias Paringer fristlos entlassen – angeblich wegen Diebstahls. Ein Vorwurf, den Paringer vehement bestreitet. Sein Verhältnis zu Seibold war zerrüttet, Zeugen berichten von offenen Drohungen. Noch brisanter: Die Überwachungskameras waren wegen einer Umstellung außer Betrieb – Insiderwissen, das den Täterkreis weiter eingrenzt.
Das verschwiegenes Motiv: Ein Erbe mit Sprengkraft
Die Ermittlungen nehmen eine neue Wendung, als ans Licht kommt, dass Maria Gerstel als Alleinerbin eingesetzt war. Ein alter Vertrag aus der Zeit, als Seibold in das Geschäft einstieg – inklusive einer kurzen Affäre zwischen ihm und Gerstel. Ein Motiv mit Gewicht, das sie den Ermittlern zunächst verschwiegen hatte. Verdacht und Druck steigen.
Parallel wird klar: Seibold war nicht nur geschäftlich skrupellos, sondern auch privat ein Unruheherd. Eifersucht, alte Liebesbriefe und handfeste Streits – insbesondere im Umfeld von Yvonne Brand und ihrem Freund Holger Nistel – liefern weitere Ansatzpunkte. Doch auch hier greifen Alibis und Widersprüche ineinander.
Der Schlüssel zur Wahrheit
Die entscheidende Spur führt schließlich zum Schlüssel. Recherchen bei Schlüsseldiensten ergeben: Vor wenigen Tagen ließ jemand mit Vollmacht einen Ersatzschlüssel für den Laden anfertigen. Die Beschreibung passt exakt auf Tobias Paringer.
Konfrontiert mit den Beweisen bricht Paringer ein. Er gibt zu, mit dem nachgemachten Schlüssel nachts in den Laden gegangen zu sein, um Seibold „eins auszuwischen“ und sich Ware zu nehmen – aus Wut und aus Trotz. Als Seibold ihn überraschte, eskalierte die Situation. Aus Angst griff Paringer zur Schere. Was als Einbruch begann, endete tödlich.
Der Mord war keine geplante Tat, sondern das Ergebnis einer explosiven Mischung aus Kränkung, Verzweiflung und Gelegenheit. Paringer wird vorläufig festgenommen.
Ermittler zwischen Ernst und Augenzwinkern
Wie gewohnt tragen Hansen und Hofer den Fall mit trockenem Humor und klarer Kante. Unterstützt von der unvergleichlichen Stockl, die mit Telefonaten, Postpannen und beiläufigen Hinweisen den Überblick behält. Nebenbei sorgt eine Running Gag-taugliche Nebenhandlung für Leichtigkeit: Hansens Suche nach einer Segelpartnerin für die Sommerregatta – inklusive verpasster Anmeldefrist und charmantem Schlagabtausch mit Frau Ortmann.
Fazit
„Ein todsicherer Konkurrent“ ist eine klassische Rosenheim-Folge: Ein bodenständiger Mordfall mit lokalem Kolorit, glaubwürdigen Motiven und einer Auflösung, die sich sauber aus den Spuren entwickelt. Dazu Humor, Herz und kleine private Geschichten, die den Figuren Tiefe verleihen. Eine Episode, die zeigt, dass tödliche Konkurrenz nicht laut geplant sein muss – manchmal reicht ein Schlüssel, ein falscher Moment und zu viel Wut.