„Die Rosenheim-Cops“ S13E20: Bauernopfer – Ein Mord zwischen Jagdrecht, Gier und Verrat

Mit der Folge „Bauernopfer“ liefert Die Rosenheim-Cops einmal mehr einen Kriminalfall, der weit über ein klassisches Verbrechen hinausgeht. Hinter der idyllischen Fassade des ländlichen Rosenheims entfaltet sich ein Netz aus alten Feindschaften, wirtschaftlichen Interessen und tödlicher Gier. Was zunächst wie ein tragischer Unfall wirkt, entpuppt sich Schritt für Schritt als kalt kalkulierter Mord – mit mehreren Verdächtigen, falschen Fährten und einem überraschenden Täter.
Ein Toter auf dem Rad – und viele offene Fragen
Der Fall beginnt mit einem scheinbar simplen Szenario: Georg Wüst wird tot aufgefunden, sein Fahrrad liegt in der Nähe, alles deutet zunächst auf einen Unfall hin. Doch schon bei der ersten Untersuchung kommen Zweifel auf. Die Gerichtsmedizinerin stellt fest, dass die Verletzungen am Hinterkopf nicht zu einem Sturz passen. Besonders brisant: Der Helm weist keinerlei Schäden auf. Schnell wird klar, dass jemand den Helm nachträglich aufgesetzt haben muss.
Damit ist eines sicher: Der Fundort ist nicht der Tatort. Georg Wüst wurde getötet und anschließend an einen anderen Ort verbracht. Aus einem Unfall wird ein Mord – und aus einem einfachen Fall eine komplexe Ermittlungsarbeit.
Alte Feindschaften auf dem Land
Im Zentrum der Ermittlungen steht rasch das zerrüttete Verhältnis zwischen Georg Wüst und seinem Nachbarn Josef Gruber. Die beiden Familien verbindet eine jahrzehntelange Fehde, genährt von Streitigkeiten um Grundstücke, Jagdrechte und gegenseitige Anschuldigungen. Immer wieder ist von vergifteten Katzen, beschädigten Wegen und gegenseitigen Provokationen die Rede.
Besonders brisant: Am Abend vor seinem Tod wollte sich Wüst mit Gruber treffen. Laut Aussagen war Wüst dabei extrem aufgebracht und kündigte an, Gruber „fertig zu machen“. Für die Ermittler ein klares Motiv. Doch so eindeutig, wie es zunächst scheint, ist die Sache nicht.
Jagdrecht, Wilderei und ein gefährliches Geheimnis
Im Laufe der Ermittlungen kommt ans Licht, dass Wüst Gruber beim Wildern auf frischer Tat ertappt haben könnte – auf Wüsts eigenem Grund. In Bayern ist das Jagdrecht nicht nur Tradition, sondern ein Statussymbol. Ein Verlust hätte für Gruber schwerwiegende Konsequenzen gehabt. Ein starkes Motiv also.
Doch trotz Indizien passt das Gesamtbild nicht. Grubers Aussagen sind widersprüchlich, aber es fehlt der letzte Beweis. Zwar finden sich Spuren, die ihn belasten, doch immer wieder stoßen die Ermittler auf Details, die Zweifel säen.
Das Fahrrad als Schlüssel zur Wahrheit
Ein entscheidender Durchbruch gelingt der Kripo durch akribische Spurensicherung. Am Fahrrad des Opfers werden feine Kratzspuren entdeckt – Rückstände von grünem Autolack. Ein klares Zeichen dafür, dass das Rad transportiert wurde. Die Spur führt direkt zu Grubers Fahrzeug, in dessen Laderaum Blutspuren gefunden werden, die eindeutig Georg Wüst zugeordnet werden können.
Gruber gerät massiv unter Druck und gesteht schließlich, den Leichnam transportiert zu haben. Doch er beteuert weiterhin, Wüst nicht getötet zu haben. Er habe den Toten lediglich gefunden und aus Angst vor weiteren Konsequenzen versucht, die Situation zu vertuschen. Ein Geständnis, das zwar belastend ist – aber den Mord nicht erklärt.
Geld, Macht und ein dunkler Deal
Parallel dazu stoßen die Ermittler auf eine weitere Spur: 100.000 Euro, die kurz vor Wüsts Tod auf seinem Konto eingegangen sind. Der Absender: eine dubiose GmbH, hinter der schließlich Gemeinderat Josef Blattner steckt. Die Summe ist nur ein Teil eines größeren Deals. Insgesamt soll es um 300.000 Euro Schwarzgeld gegangen sein.
Der Hintergrund: Ein unscheinbares Stück Ackerland, das durch politische Kontakte plötzlich zu Bauland werden sollte – lukrativ für Investoren, insbesondere für einen Energiekonzern. Wüst wusste davon. Und er wusste offenbar zu viel. Ein mögliches Motiv für Blattner, den unbequemen Bauern zum Schweigen zu bringen.
Doch auch hier fehlt der entscheidende Beweis. Blattner gerät zwar ins Visier der Ermittler, doch die Mordwaffe und der unmittelbare Tatnachweis fehlen weiterhin.
Die Verlobte rückt ins Zentrum
Der entscheidende Wendepunkt kommt, als sich der Blick auf Wüsts Verlobte Nadin Schäfer richtet. Nach außen die trauernde Partnerin, entpuppt sie sich zunehmend als Frau mit eigenen Geheimnissen. Die Ermittler erfahren von einer Affäre Wüsts mit einer jüngeren Frau und von hohen Bargeldsummen, die plötzlich in Nadins Besitz sind.
Als in ihrem Schrank schließlich 300.000 Euro Schwarzgeld gefunden werden, bricht ihre Fassade zusammen. Der Mord war keine spontane Tat aus Eifersucht – sondern das Ergebnis eines eskalierenden Konflikts.
Ein Streit, der tödlich endet
In der entscheidenden Vernehmung gesteht Nadin Schäfer schließlich die Tat. Georg Wüst hatte sie verlassen wollen. Er setzte ihr ein Ultimatum, wollte sie aus seinem Leben drängen. Der Streit eskalierte, Emotionen kochten hoch. In einem Moment der Verzweiflung griff sie zu einem Werkzeughammer – und schlug zu.
Was folgte, war ein verzweifelter Versuch, die Tat zu vertuschen. Der Leichnam wurde transportiert, das Fahrrad bewusst platziert, um Gruber zu belasten. Ein perfides Spiel mit falschen Spuren, das die Ermittler lange in die Irre führte.
Ein klassisches Bauernopfer
Der Titel der Folge erweist sich als treffend. Gruber war das Bauernopfer – benutzt, um den wahren Täter aus dem Fokus zu rücken. Alte Feindschaften, Vorurteile und scheinbar klare Motive machten ihn zum perfekten Sündenbock.
Am Ende wird Nadin Schäfer festgenommen. Zurück bleibt ein zerstörtes Leben, ein Toter – und die Erkenntnis, dass Habgier, Angst und verletzter Stolz auch in der beschaulichsten Umgebung zu tödlichen Entscheidungen führen können.
Fazit: Starkes Krimadrama mit Tiefe
„Bauernopfer“ überzeugt als klassische Rosenheim-Cops-Folge mit Tiefgang. Humorvolle Nebenmomente und zwischenmenschliche Reibereien lockern die düstere Handlung auf, ohne ihr die Schärfe zu nehmen. Der Fall zeigt eindrucksvoll, wie schnell alte Konflikte eskalieren können – und wie gefährlich Geheimnisse werden, wenn Geld und Macht ins Spiel kommen.
Eine Folge, die beweist, dass hinter der ländlichen Idylle von Rosenheim oft mehr Abgründe lauern, als man auf den ersten Blick vermuten würde.