Die Rosenheim Cops – „Karten lügen nicht“ (Staffel 13, Folge 1): Mord, Lügen und ein tödliches Geheimnis auf dem Waldfriedhof

Mit einem düsteren Paukenschlag startet Die Rosenheim Cops in die 13. Staffel – und macht sofort klar, dass es diesmal um mehr geht als um Routineermittlungen. In der Folge „Karten lügen nicht“ führt ein mysteriöser Mord die Ermittler tief hinein in ein Geflecht aus Betrug, verletztem Stolz, heimlichen Affären und einer fatalen Verzweiflungstat. Was als scheinbar skurriler Fall beginnt, entwickelt sich zu einem bitterernsten Drama über Gier, Abhängigkeit und den Preis der Wahrheit.
Eine Leiche am Ort der Stille
Der Waldfriedhof – ein Ort der Ruhe, des Gedenkens, der stillen Trauer – wird zum Schauplatz eines grausamen Verbrechens. Dort wird die Leiche von Magda Schäfer, 47 Jahre alt, aufgefunden. Der erste Eindruck trügt: Kein natürlicher Tod, kein Unfall. Eine schwere Kopfverletzung, verursacht durch einen glatten, scharfkantigen Gegenstand, deutet klar auf Mord hin. Ausgerechnet am Grab ihrer Mutter endet das Leben einer Frau, die vielen als spirituelle Ratgeberin bekannt war.
Für die Rosenheimer Kommissare ist schnell klar: Dieser Tatort ist kein Zufall. Jemand wusste genau, wo Magda Schäfer zu finden sein würde.
Die Tote lebte von Versprechen
Magda Schäfer war keine Unbekannte. Als Kartenlegerin hatte sie sich einen Namen gemacht – mit zahlungskräftiger Kundschaft, langen Wartelisten und hohen Honoraren. Zwischen 100 und 300 Euro kosteten ihre Sitzungen, je nach Dauer und „Tiefe der Vorhersage“. Viele glaubten fest an ihre Fähigkeiten, andere suchten Trost, Hoffnung oder Bestätigung. Schäfer verstand es meisterhaft, Menschen zu lesen – und ihnen genau das zu sagen, was sie hören wollten.
Doch wo viel Geld und große Erwartungen im Spiel sind, entstehen zwangsläufig Enttäuschungen. Und mit ihnen Wut.
Verdächtige Nummer eins: Die enttäuschte Kundin
Schnell rückt Marianne Gruber, eine ehemalige Stammkundin, in den Fokus. Sie hatte sich offen mit Magda Schäfer überworfen, fühlte sich betrogen und verlangte ihr Geld zurück. Mehrfach hatte sie die Kartenlegerin angerufen, ihr aufgelauert, sie bedrängt. Gruber gibt zu, zutiefst verletzt und gedemütigt worden zu sein – auch privat, denn sie entdeckt später eine Affäre ihres Mannes mit der Toten.
Das Motiv scheint greifbar: Eifersucht, Wut, Verrat. Doch ein überprüftes Alibi lässt die Ermittler zweifeln. Gruber war zur Tatzeit nachweislich nicht am Friedhof. Der Fall bleibt offen.
Der aggressive Bauunternehmer
Ein weiterer Verdächtiger ist Franz Lorenz, ein Bauunternehmer, der kurz vor der Tat öffentlich mit Magda Schäfer gestritten hatte – ebenfalls auf dem Friedhof. Zeugen berichten von lautem Geschrei, grobem Körperkontakt und einer Eskalation. Lorenz gibt zu, die Frau beschimpft und angestoßen zu haben, bestreitet jedoch vehement jede tödliche Gewalt.
Hintergrund des Streits: Ein verlorener Großauftrag, den Lorenz auf mysteriöse Weise an einen Konkurrenten abgeben musste. Im Raum steht der Verdacht, dass Schäfers „Prophezeiungen“ eine wohlhabende Auftraggeberin so verunsichert hatten, dass sie Lorenz aus dem Rennen warf. Existenzangst, Rufschädigung, Entlassungen – ein starkes Motiv. Doch auch hier: Ein scheinbar wasserdichtes Alibi.
Die Assistentin – unauffällig, loyal, verdächtig
Je tiefer die Ermittler graben, desto mehr rückt Conny Albrecht, Schäfers Assistentin, ins Zentrum. Sie kennt alle Termine, alle Kunden, alle Geheimnisse. Nach außen loyal, im Inneren zunehmend unter Druck. Die Ermittler stoßen auf Ungereimtheiten: gelöschte Dateien, verschwundene Kündigungsschreiben, ungeklärte Geldflüsse.
Besonders brisant: Kurz vor ihrem Tod hatte Magda Schäfer ihrer Assistentin fristlos gekündigt. Der Grund? Veruntreuung. Conny Albrecht hatte über längere Zeit Bargeld aus der Kasse abgezweigt – Summen, die sie mit einer angeblich reichen Großmutter zu erklären versuchte. Eine Geschichte, die bei genauer Prüfung in sich zusammenfällt.
Die Mordwaffe spricht
Der entscheidende Durchbruch kommt mit einem scheinbar unscheinbaren Detail: Eine Engelsstatue, die normalerweise ein Grab schmückte, wird in einer Regentonne gefunden. Am Kopf der Toten werden Partikel entdeckt, die exakt zu dieser Figur passen. Noch wichtiger: Ein verwertbarer Fingerabdruck.
Er gehört Conny Albrecht.
Zunächst versucht sie, sich herauszureden. Der Engel sei heruntergefallen, sie habe ihn nur aufgehoben. Doch die Beweislage wird erdrückend: Fahrradspuren, Zeitfenster, widersprüchliche Aussagen – und schließlich der Zusammenbruch.
Ein Mord aus Angst
Am Ende gesteht Conny Albrecht. Sie wollte sich entschuldigen, flehte um Vergebung, hatte Angst vor Anzeige und Gefängnis. Doch Magda Schäfer blieb hart. Die Situation eskalierte. In Panik griff Albrecht zum nächstbesten Gegenstand – der Engelsfigur – und schlug zu. Ein einziger Moment, der alles zerstörte.
Der Mord war keine geplante Tat, sondern das Ergebnis aus Angst, Gier und jahrelangem moralischem Abstieg. Dennoch: Ein Leben ist ausgelöscht. Und dafür gibt es keine Rechtfertigung.
Ein starker Staffelauftakt mit Nachhall
Mit „Karten lügen nicht“ liefert Die Rosenheim Cops einen ungewöhnlich ernsten, vielschichtigen Staffelauftakt. Humor und Lokalkolorit treten bewusst in den Hintergrund, um Raum zu schaffen für eine Geschichte, die unter die Haut geht. Die Folge zeigt eindrucksvoll, wie schnell sich Machtverhältnisse verschieben können – und wie gefährlich es wird, wenn Lügen, Geld und Abhängigkeit aufeinandertreffen.
Die Karten mögen nicht lügen. Aber Menschen tun es. Und manchmal kostet das ein Leben.