„Die Rosenheim-Cops“ – Staffel 25, Folge 9: „Spieglein, Spieglein“ Ein Mord, ein demolierter Außenspiegel und ein Täter, der sich selbst verrät
Mit der Episode „Spieglein, Spieglein“ liefert Die Rosenheim-Cops eine jener Folgen, die scheinbar beiläufig beginnen – und sich dann zu einem clever konstruierten Kriminalfall mit politischer Brisanz, persönlichen Abgründen und typisch bayerischem Humor zuspitzen. Was zunächst wie ein Akt von Vandalismus wirkt, entpuppt sich am Ende als entscheidender Schlüssel zur Lösung eines Mordes. Und mittendrin: ein Bürgermeister, ein Bauunternehmer, ein geheimer Betrug – und ein Außenspiegel, der mehr sieht, als ihm lieb ist.
Ein beschädigter Spiegel und ein frisch gewählter Bürgermeister
Der Morgen nach der Bürgermeisterwahl in Ganting beginnt mit Ärger. Der frisch wiedergewählte Bürgermeister Karl Schretzmeier entdeckt, dass der linke Außenspiegel seines Wagens mutwillig beschädigt wurde. Für ihn ist schnell klar: Das kann kein Zufall sein. Der Wahlkampf war hart, die Stimmung aufgeheizt – und sein unterlegener Gegenkandidat Franz Poschel galt als cholerisch und nachtragend.
Noch während Schretzmeier Anzeige erstatten will, erreicht das Kommissariat Rosenheim eine ganz andere Meldung: Franz Poschel ist tot. Ermordet in seinem Haus in Großhannendorf. Was zunächst wie zwei getrennte Vorfälle erscheint – Vandalismus hier, Mord dort – legt den Grundstein für ein Ermittlungsrätsel, das sich erst Stück für Stück entfaltet.
Ein Mord mit ungewöhnlichem Detail
Am Tatort erwartet Hauptkommissar Sven Hansen und Kommissar Kilian Kaya ein klares, aber irritierendes Bild. Poschel wurde erschossen – von hinten. Das Projektil trat aus und blieb ausgerechnet in einem Spiegel stecken. Ein makabrer Zufall, der später enorme Bedeutung gewinnen wird.
Besonders präzise ist die Todeszeit: Poschel trug eine Fitnessuhr, die seinen Herzschlag bis exakt 5:18 Uhr aufzeichnete. Ein modernes Detail, das der Folge einen fast dokumentarischen Touch verleiht – und den Ermittlern eine exakte zeitliche Grundlage bietet.
Im Keller des Hauses stoßen die Kommissare zudem auf einen offenen Waffentresor. Poschel war Sportschütze, mehrere Pistolen fehlen. Die Frage steht sofort im Raum: Wurde der Bauunternehmer mit einer seiner eigenen Waffen ermordet?
Verdächtige im nahen Umfeld
Schnell rücken die Menschen aus Poschels direktem Umfeld in den Fokus. Da ist seine Ehefrau Gabriele Poschel, die ausgerechnet am Wahlabend nicht an der Seite ihres Mannes war, sondern angeblich am Königsee entspannte. Ein Alibi, das sich später als brüchig erweist.
Dann gibt es die Assistentin Jennifer Kalbrunner, die den Toten fand – und überraschend offenbart, dass sie jahrelang eine heimliche Affäre mit ihm hatte. Poschel wollte die Beziehung beenden, hatte ihr sogar 20.000 Euro gezahlt, um „alles lautlos zu regeln“. Ein starkes Motiv? Möglich. Doch die Beweise bleiben vage.
Auch Uwe Stein, Mitgeschäftsführer von Poschels Baufirma, gerät ins Visier. Ein Mann mit Einfluss, Jagdleidenschaft und Zugang zu Waffen. Offiziell war er zur Tatzeit in Augsburg – doch genau dieses Alibi beginnt zu wackeln.
Der Bürgermeister und die große falsche Fährte
Parallel dazu lässt Bürgermeister Schretzmeier nicht locker. Für ihn ist klar: Sein beschädigter Außenspiegel und der Mord an Poschel hängen zusammen. Er fühlt sich bedroht, spricht von einer Attacke auf die Politik Gantings und drängt auf schnelle Aufklärung.
Doch zunächst wirkt diese Spur überzogen. Auch Miriam Stockl begegnet den Vermutungen mit gewohnt trockenem Pragmatismus. Für sie scheint der Außenspiegel ein Fall für die Verkehrspolizei – nicht für die Mordkommission.
Und doch: Genau dieser Spiegel wird später zum entscheidenden Puzzleteil.
Betrug, Baumaterialien und ein tödlicher Konflikt
Während die KTU noch mit dem falschen Spiegel beschäftigt ist, entdeckt das Team etwas weit Brisanteres: In den Geschäftsunterlagen der Firma Poschelbau fallen massive Unregelmäßigkeiten auf. Minderwertige Baumaterialien wurden zu überhöhten Preisen als Qualitätsware abgerechnet – jahrelang, systematisch, lukrativ.
Der Verdacht erhärtet sich: Poschel wollte aussteigen. Sein Gewissen – oder seine Angst – wuchs. Für seinen Partner Uwe Stein hingegen stand viel auf dem Spiel. Der Betrug durfte nicht auffliegen.
Plötzlich ergibt alles Sinn: Der Mord, die fehlenden Waffen, das wackelige Alibi.
Der Spiegel lügt nicht
Die Wende kommt, als die KTU endlich die Lackspuren vom beschädigten Außenspiegel des Bürgermeisters analysiert. California Orange – eine seltene Sonderlackierung. Ein Detail, das man nicht übersehen kann.
Und tatsächlich: Uwe Steins Fahrzeug trägt genau diese Lackierung.
Konfrontiert mit den Beweisen bricht seine Fassade. Er war in der Tatnacht nicht in Augsburg, sondern in Ganting. Er hatte Poschel zur Rede gestellt, weil dieser den Betrug beenden wollte. Der Streit eskalierte. Ein Schuss. Ein Spiegel. Ein Mord.
Ein klassischer Rosenheim-Cops-Moment
Am Ende fügt sich alles zusammen – und ausgerechnet Bürgermeister Schretzmeier muss erkennen, dass sein demolierter Außenspiegel tatsächlich mit dem Mordfall verbunden ist. Nicht politisch motiviert, sondern kriminell – und damit relevanter, als alle zunächst dachten.
Uwe Stein wird festgenommen. Der Täter ist überführt. Und Miriam Stockl darf – nicht ohne leisen Triumph – feststellen, dass ihr Instinkt richtig war.
Fazit: Clever, verspielt und überraschend aktuell
„Spieglein, Spieglein“ ist eine Folge, die zeigt, warum Die Rosenheim-Cops auch nach 25 Staffeln funktionieren. Der Fall verbindet Lokalkolorit mit modernen Elementen, Wirtschaftskriminalität mit persönlicher Tragik und Humor mit Spannung.
Ein scheinbar banaler Außenspiegel wird zum Schlüsselfaktor eines Mordes. Ein Täter scheitert an seiner eigenen Nachlässigkeit. Und die Serie beweist einmal mehr: In Rosenheim ist nichts so harmlos, wie es auf den ersten Blick scheint.